Waren ohne Verpackungen

Einkaufen bei Mo Unverpackt in Schortens

von Marieke Heidemann (Kl. 9)

Unverpackt – das ist eine immer mehr verbreitete Art einzukaufen. Mo Unverpackt („Mo“ steht für „mit ohne“) eröffnete Ende letzten Jahres in Schortens. Die Inhaberin Christina Ryba hat der Bloody Mary erzählt, wie ein Unverpacktladen überhaupt funktioniert, wie sie auf die Idee gekommen ist und vieles mehr. Außerdem hat sie verraten, welches Produkt sich am besten verkauft.

Warenauslage bei Mo Unverpackt; Foto: Marieke Heidemann

Bloody Mary: Wie funktioniert ein Unverpacktladen überhaupt?

Christina Ryba: Ich bekomme die Waren in Großgebinden, wie beispielsweise in Pfandeimern oder in großen Papiersäcken. Unser Sortiment kaufe ich bei verschiedenen Händlern ein. Insgesamt habe ich für den Laden über 40 Zulieferer und drei bis vier Großhändler, bei denen ich abwechselnd und je nach Bedarf die Ware bestelle. Der Kunde darf alles an Behältnissen mitnehmen, was er schon zu Hause hat. Das kann eine Tupperdose sein, ein Beutel oder eine Verpackung von einem anderen Lebensmittel, die man aufbewahrt hat. Dann wird alles im Leerzustand einmal gewogen, dafür steht eine Waage bereit. Die Behältnisse kann die Kundschaft selber wiegen, das Leergewicht wird auf dem Behälter notiert und anschließend darf man sich das Lebensmittel seiner Wahl abfüllen.

Bloody Mary: Wie bist Du auf die Idee gekommen? Warst Du vorher schon mal in anderen Unverpacktläden?

Christina Ryba: Ich war vorher tatsächlich schon mal in Unverpacktläden einkaufen und fand die Idee und die Atmosphäre total spannend. Warum ich mich dann am Ende dazu entschieden habe, das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich hatte einfach Lust drauf (lacht).

Bloody Mary: Was möchtest du mit Mo Unverpackt erreichen?

Christina Ryba: Natürlich ist ein ganz zentrales Thema, Verpackungsmüll einzusparen, aber auf der anderen Seite stehen hier auch ganz tolle Produkte zur Verfügung, hinter denen ich total stehe. Wir kaufen Bioware, auch wenn ich das nicht kennzeichnen darf. Der Grund dafür ist, dass mein Betrieb dafür nicht zertifiziert ist und nach dem Gesetz ist das Öffnen eines Großgebindes und Umfüllen in ein kleineres Gebinde ein Verarbeitungsprozess. Mein Ziel ist es einfach, richtig tolle Produkte an die Leute zu bringen. Ich freue mich, wenn es den Leuten schmeckt und man sieht es ja auch: manche kommen immer und immer wieder.

Bloody Mary: Was kann man alles hier kaufen?

Christina Ryba: Die Frage ist: Was bekomme ich hier nicht? Wir haben im Bereich von trockenen Lebensmitteln so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann: Getreide- und Reissorten, Nudeln, sehr viele Hülsenfrüchte, Backzutaten, Gewürze und Tees. Bei uns gibt es aber auch vieles aus dem Non-Food-Bereich zu kaufen, also alles, was zum Haushalt dazugehört, wie Reinigungsmittel und Zubehör sowie Geschenkartikel. Außerdem bieten wir viel aus dem Bereich Kosmetik, Körperpflege und Hygiene an. Wir haben auch ein bisschen Auswahl im frischen Bereich, beispielsweise hausgemachte Fruchtaufstriche.

Fruchtgummi-Mix und Couch Crunch; Foto: Marieke Heidemann

Bloody Mary: Wie kommen die Waren an? Gibst du die Behälter wieder zurück?

Christina Ryba: Die meisten meiner Behälter sind von Bananeira, einem meiner Haupt-Großlieferanten, die mit einem Pfand-System arbeiten. Ich sammle die Eimer und ab einer bestimmten Menge schicke ich sie wieder zurück, sodass auch dort gar kein Müll entsteht.

Bloody Mary: Wer kauft alles bei dir ein? Kommen Menschen auch von außerhalb?

Christina Ryba: Querbeet. Tatsächlich kommen gefühlt alle Altersstufen und natürlich viele hier aus dem Ort und der Umgebung. Der Standort Schortens ist daher ganz praktisch gewählt, weil hier tatsächlich sehr viele Menschen arbeiten. Und dadurch, dass der Bahnhof vor der Tür ist, kommen sogar Wittmunder. Diese pendeln, steigen aus und kommen rein, kaufen ein und fahren weiter – das funktioniert tatsächlich ganz gut. Was mich überrascht hat: Ich hätte gar nicht gedacht, dass es Urlauber gibt, die hierher kommen, und tatsächlich geht da der Gedanke total auf, dass wir den Bioladen gegenüber haben. Es kommen viele extra zum Bioladen aus Horumersiel und Hooksiel, weil sie dort einkaufen möchten, und gehen anschließend auch hierher, um zum Beispiel Kaffee zu trinken.

Bloody Mary: Was verkauft sich am besten?

Christina Ryba: Wir verkaufen sehr viel Kaffee, was mich überrascht hat. Was aber mengenmäßig am meisten verkauft wird, sind tatsächlich solche Pfandgläschen, die ich selbst gepackt habe: Fruchtgummi-Mix und Couch-Crunch zum Beispiel (siehe Foto). Und was wir an drei Tagen in der Woche haben, ist selbstgebackener Kuchen, der ist eigentlich auch immer schnell verkauft. Das sind jetzt gar nicht so klassische Unverpackt-Produkte, bis auf den Kaffee. Aber diese Gläschen kann man eben mal schön mitnehmen, denn die sind schon fertig gemischt.

Bloody Mary: Welche Pläne hast Du noch für Mo Unverpackt? Möchtest Du Dein Sortiment noch vergrößern?

Christina Ryba: Das erste Ziel ist jetzt tatsächlich noch, die Kundenzahlen zu erhöhen. Ich schaue immer, was ich in Sachen Werbung machen kann und arbeite gerade an einer Internetseite – einfach damit man ein bisschen sichtbarer wird. Spannend ist übrigens auch, dass es eine Zeit am Anfang gab, da musste ich immer das Konzept erklären. Daran habe ich gemerkt, dass so etwas für die Leute neu ist und sie unverpackt noch nicht eingekauft haben. Dann gab es eine Phase, da musste ich das gar nicht mehr erklären. Jetzt gerade sind wir an einem Punkt, wo ich es wieder sehr häufig erkläre, woran ich dann merke, dass das Leute sind, die noch nicht da waren. Was das Sortiment betrifft: Wir sind ja schon mit einem sehr großen Warenangebot gestartet und hatten bereits über 600 Produkte, als wir den Laden aufgemacht haben. Jetzt sind wir bei weit über 700, vielleicht auch 800. Wir haben allein schon über 70 Gewürze, über 40 Tee-Sorten und fünf Sorten Kaffee. Also, so richtig vergrößern werden wir das Sortiment wahrscheinlich nicht mehr, weil es mengenmäßig einfach schon wahnsinnig viel ist. Das Einzige, was jetzt gerade passiert, ist, dass wir es anpassen. Das heißt, wenn etwas leer wird, dann schauen wir eben: War das sehr beliebt? Ist das in einer schnellen Zeit leer geworden? Dann bestellen wir exakt das Produkt nach. Oder es ist vielleicht auch eine spezielle Nachfrage von Kunden da und dann schaue ich, ob ich das bei meinem Großlieferanten bekomme.

Bloody Mary: Glaubst Du, dass in Zukunft immer mehr Menschen ihr Einkaufsverhalten ändern, sodass es überall Unverpacktläden gibt?

Christina Ryba: Das ist ganz schwierig einzuschätzen, weil ich glaube, dass schon ganz viel Willenskraft dazugehört. Man muss sehr hinter dieser Idee stehen, um das wirklich in den Alltag zu integrieren. Ich von mir aus würde behaupten, dass ich es nicht schwer finde, aber in vielen Köpfen klingt das wahnsinnig kompliziert. Ich muss mich vorbereiten, ich muss genau überlegen, was ich will. Und der Zeitgeist ist ja leider einfach so: Der Gedanke ploppt auf, jetzt brauche ich das, jetzt gehe ich los und hole das. Das funktioniert natürlich unverpackt nur bedingt. Doch dafür haben wir Behälter bereitstehen, die Kunden können sich kostenfrei dort bedienen und spontane Einkäufe tätigen. Allerdings sind die Bedingungen auf der Welt natürlich gerade auch ein bisschen schwierig, und für viele sind solche Nachhaltigkeitsthemen in den Hintergrund gerückt. Dann war zum Beispiel die Pandemie der Auslöser, dass man vielleicht nicht mehr unter Leute wollte – wobei unverpackt einkaufen natürlich eigentlich viel entspannter ist als bei Aldi oder Lidl, wo in der Regel viel mehr los ist.

Bloody Mary: Das war sehr informativ, vielen Dank für das Interview!


Mo Unverpackt
Oldenburger Str. 9
26419 Schortens
Montags geschlossen
Di – Fr von 10 bis 18 Uhr
Sa von 10 bis 15 Uhr

Instagram: @mo_unverpackt

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