„Querdenken“: Die Alternative vor’m Sagenbrunnen

Mit Oliver Tief, Organisator von Querdenken 446 in Jever

von Jonas Evers (Q2)

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„Niemand, aber wirklich niemand wird 2020 vermissen“, heißt es im Volksmund. Die wenigen Auserwählten, die am Ende letzten Jahres besser da standen als am Anfang, sind schwerer auszumachen als ein Clubhouse-Link dieses Jahr. Um sie doch zu finden schaut man nach ganz oben, auf die Spitzen der Börsen und die CEOs großer Unternehmen wie Amazon, Google, Apple oder Tesla. 

Foto: Jonas Evers

Doch es gibt noch mehr selbsternannte Gewinner: All jene, die sich als „Querdenker“ bezeichnen, Teilnehmer in Telegramgruppen und Kritiker der „Mainstreammedien“. Menschen, die zurückblickend im vergangenen Jahr „The Great Awakening“ (dt.: „Das große Erwachen“) gesehen haben und an den „deep state“, also einen geheimen Staat im Verborgenen, glauben, haben scheinbar an der Zahl deutlich zugenommen. Auch in Jever versammelte sich bis zum 21.12. die Gruppe Querdenken 446 am Sagenbrunnen beim Alten Markt.  

Die Verschwörungserzählungen der Querdenker haben nicht nur zunehmend an gesellschaftlicher Relevanz gewonnen, sondern bestimmten bei den letzten Bundestagsdebatten zunehmend auch den politischen Diskurs.1 Die Thesen sind ein scharfer Gegenentwurf zum bisherigen gesellschaftlichen Konsens. Ein Querdenker zieht aus den gleichen Zahlen völlig andere Schlüsse. Jeder Versuch, diese Schlüsse zu widerlegen mündet in der Pauschalisierung des Gegenübers als uninformiert oder dem Vorwurf der Diffamierung. So wird auch dieser Artikel aufgefasst werden. 

Wie kommt es, dass es ab 2020 auf einmal möglich ist, sich in einem vollständig mit „alternativen Fakten“ gefüllten Raum zu befinden? Wie fühlt es sich in diesem Raum an und was heißt das für uns? 

1. Ohne Corona wäre Querdenken nicht möglich 

Mit der Folgerung „Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD“, hat Christian Lüth, zur Zeit der Aussage noch Pressesprecher der Partei, den Nagel auf den Kopf getroffen – und das vermutlich unabsichtlich.2 Ohne die Flüchtlingskrise 2015/16, wäre die neue Partei am rechten Rand des Bundestags vermutlich nie zu ihrer heutigen Größe angewachsen. Im Falle der Querdenker war und ist es erneut eine Krise, die maßgeblich zum Erfolg führt. Es brauchte die globale Pandemie, um die Bewegung überregional zu formen. 

Auch wenn dieser Vergleich allein deswegen hinkt, weil es sich bei den beiden Gruppen um unterschiedliche Gesellschaftsschichten handelt, ist dennoch festzustellen, dass es erst „der gemeinsame, neue Feind“ war, der zum Zusammenschluss und Durchbruch beider führte. Bei der AfD war es die Angst vor Überfremdung und aufgestautes Misstrauen im Osten – bei den Querdenkern die Zweifel von Bürgern im Westen über Verhältnismäßigkeit von Coronamaßnahmen und Grundrechtseinschränkungen. Über den Anlass zu den Kundgebungen in Jever am Sagenbrunnen antwortet Oliver Tief, Wortführer und Organisator von Querdenken 446

Ein wichtiges demokratisches Grundrecht ist in Artikel 8 des Grundgesetzes verankert. Demnach kann jeder seine Kritik z.b. gegen die Regierung durch Versammlungen zum Ausdruck bringen. Dieses Recht nimmt Querdenken wahr und kritisiert die Maßnahmen der Regierung, die aus unserer Sicht unverhältnismäßig und rechts- sowie verfassungswidrig die Rechte der Bürger einschränkt.

– Oliver Tief

Der Grund für die Kritik liegt im Gedankengang des Präventionsparadox, dem im Laufe dieser Pandemie nicht bloß Querdenker erlagen. Präventive Maßnahmen, wie die der Bundesregierung zur Eindämmung des Coronavirus, lassen sich im Nachhinein leicht anzweifeln. Haben wir überhaupt dem Lockdown für den Rückgang der Zahlen im Sommer zu danken, „oder wären die drastischen Maßnahmen überhaupt nicht notwendig gewesen“? Und viel wichtiger: Wie erklärt man Einschnitte in die Grundrechte, wenn von der Plage doch nur ein paar Prozent der Bevölkerung überhaupt betroffen sind?3

Eine präventive Maßnahme zum Wohle Aller ist für den Einzelnen oft unbedeutend, nervig oder sogar schädlich.4 Das ist ein Motiv dafür, im Nachhinein zu zweifeln, ob die Maßnahme überhaupt notwendig war. Dieser Gedankengang ist nachvollziehbar, für die großen Verlierer der Pandemie gar naheliegend. Fragen wie diese kann sich jeder stellen, sie verlangen keine extremistische Grundhaltung, weshalb Querdenken so schnell so groß werden konnte. 

Die Bewegung spricht eine weitaus größere Zielgruppe an, als klassische Verschwörungserzählungen. Dazu zählen all jene, die schon vor der Pandemie einen Hang zu Verschwörungsideologien hatten, den Massenmedien und Politikern misstrauten oder alternative Lebensweisen verfolgten. Es sind auch Menschen in der Gruppe, die bisher völlig apolitisch waren, also ohne feste politische Zuordnung auskamen, für die Querdenken die Premiere des politischen Engagements darstellt.5 Auch viele Demonstranten vom Sagenbrunnen sind politische Neulinge.

Diese Einschätzung teilt auch Oliver Tief. Er antwortet auf die Frage nach der politischen Identität der Querdenker und deren Beweggründe: 

Die querdenkenden Menschen sind so wie das Wort „quer“ es ausdrückt – ein Querschnitt der Gesellschaft. Querdenker können weder mit der Hufeisentheorie noch mit „Klassen“ kategorisiert werden. Wir Querdenker sind Menschen aus allen Richtungen und jeder ist willkommen – man könnte es als wirklich gelebte Inklusion beschreiben. Und genau dieses sind auch die gemeinsamen Beweggründe. Uns Querdenkern sind die Menschenrechte nicht nur als Text wichtig. Wir wollen mit jedem Menschen auf Augenhöhe umgehen, und das verbindet uns.

– Oliver Tief

Unterstützung dafür kommt wenig überraschend von den bekannten Akteuren von rechtsaußen. Bundesweit finden sich bekannte Rechtsextremisten und Reichsbürger in der Gruppe. Glaubt man dem baden-württembergischen Verfassungsschutz, ist die Gruppe in der Führungsebene „von Extremisten unterwandert“. Laut einer Recherche der Süddeutschen Zeitung finden sich unter den Mitgliedern der örtlichen Telegramgruppen auch Funktionäre der AfD wieder.6

Auf die Frage, ob die Annäherung der AfD von den Querdenkern erwidert würde, antwortet Tief:  

Nur weil eine Partei zu gleichen Erkenntnissen gelangt, müssen wir politisch nicht einer Meinung sein. Die Querdenken-Bewegung ist ein breites Spektrum von Menschen aus allen sozialen und politischen Richtungen. Bei Querdenken wird, wie oben bereits beantwortet, kein Mensch ausgeschlossen. Es gibt auch Anhänger der Grünen, der Linken und auch von SPD, CDU und FDP bei den Querdenkern. Allerdings haben sich diverse von ihnen auch schon von ihren ursprünglichen Parteien abgewendet. Eine faktenbasierte und wissenschaftliche Evidenz darf allerdings nicht durch politische Gesinnung ignoriert werden. Alle Seiten sollen in einer Demokratie angehört werden. Dies sollte objektiv und wertfrei geschehen. Die Fragestellung deutet hier auf Abneigung und Diffamierung einer gewählten und zugelassenen Partei des Bundestages hin. Auch wenn wir inhaltlich mit der AFD nicht übereinstimmen, kann ich mich als Demokrat nur dagegen aussprechen, dass Menschen, die anders denken, verächtlich gemacht werden. Dies ist verfassungswidrig, demokratiefeindlich und intolerant.

– Oliver Tief

2. Ohne Donald Trump wäre Querdenken nicht möglich 

Die Querdenker und die Medien haben ein ambivalentes Verhältnis. Öffentlich Rechtliche können aus Sicht der Querdenker nur falsch berichten. Kommt nichts oder nur wenig, wird der Protest „totgeschwiegen oder heruntergespielt“. Wenn doch ein Segment der Tagesschau geopfert wird, handelt es sich um „Diffamierung und Lügen“. Auch Herr Tief hat sich im Interview für die Antwort auf die AfD-Frage dazu entschieden, nach Beantwortung der Frage die Frage selbst zu kritisieren. Medienkritik ist wesentlicher Teil des Inhalts der Bewegung. Die großen Häuser seien „gleichgeschaltet“ und würden nur im Sinne der Mächtigen berichten – das sind, je nachdem wen man fragt, ein „deep state“, Eliten, „Q“, Illuminaten, die Regierung, der Antichrist oder der deutsche Dauerbrenner, die Juden. Damit findet auch Antisemitismus seinen Platz bei den Querdenkern.7

Das Konzept der „Fake News“ ist von Donald Trump etabliert worden. Fast immer wird kritischen Reportern und deren Sendern eine Intention abseits von Informationsrecherche vorgeworfen. Die berühmte erste Lüge des Ex-Präsidenten wurde kurz nach dessen Amtseinführung von Sean Spicer, Pressesprecher des Weißen Hauses, formuliert. Die Medien berichteten zuvor übereinstimmend über ein deutlich kleineres Publikum, als bei Barack Obamas Amtseinführung. Spicer präsentierte auf einer Pressekonferenz nachweislich falsche Daten, behauptete das Gegenteil. Später prägte Kellyane Conway, eine Beraterin von Donald Trump, bei der Verteidigung von Spicer den Begriff „alternative Fakten“.8

Offen zu lügen, war auch in den USA zu dieser Zeit ein politisches Novum, doch dass genau das jetzt möglich war, und zwar von einem Präsidenten im Amt, beförderte auch den Populismus in Deutschland. Noch im gleichen Jahr zog die AfD in den Bundestag ein, die rhetorisch an Donald Trump anknüpfte. 

Der Ton der Querdenker liegt im Geiste des „Trumpism“ verankert, also einer Welt völlig abseits des etablierten Umgangs. Es wird nur wenigen Medien Vertrauen geschenkt und Journalisten eine Agenda vorgeworfen. Die „wahren“ Fakten gibt es nicht mehr von Experten in Funk und Fernsehen, sondern in einer Telegramgruppe.9

Auch die Inanspruchnahme der Opferrolle knüpft an Donald Trumps „witchhunt“ (dt. Hexenjagd) an. Oliver Tief wirft den Medien die systematische Ausgrenzung der Querdenker vor und spricht einem Journalisten der Tagesschau Objektivität ab, der in einem als solchen gekennzeichneten Kommentar „Widerstand 2020“, einen Vorgänger der Querdenken-Bewegung, als „Wirrköpfe“ und „Spinner“ bezeichnete. 

Wenn in der breiten Öffentlichkeit der inhaltliche Austausch mit den Menschen, nicht nur mit den Querdenkern, wieder wertfrei und sachlich geführt würde, hätten wir einen großen Demokratiegewinn erreicht. Die Gesellschaft und die Demokratie können nur im Dialog und durch Zwischenmenschlichkeit existieren. Nur wenn ich den Anderen verstehen möchte, ist ein Miteinander möglich. Die Ablehnung und Ausgrenzung anderer Meinungen ist totalitär und menschenunwürdig. Wir müssen immer für die Sache streiten, um die Demokratie zu erhalten. Argumente müssen in der öffentlichen Debatte ad rem (auf die Sache), nicht ad personam (auf die Person) zielen. Dahin muss die Bundesregierung und dahin müssen auch die Medien zurückfinden. Es kommt ein wenig das Gefühl auf, dass die Medien nicht wussten und wissen, wie sie mit Querdenkern umgehen sollen. Das Statement von Rainald Becker in den Tagesthemen am 06.05.2020 nach der ersten Großdemonstration in Stuttgart empfand ich als befremdlich. Die beleidigenden und abwertenden Worte von Herrn Becker entsprachen keiner objektiven Realität. Eine objektivere Berichterstattung im Allgemeinen ist wünschenswert – bei der der Bewertungs- und Meinungsanteil in Nachrichten auf ein Minimum reduziert wird.

– Oliver Tief
Auch im Sagenbrunnen am alten Markt erinnert eine Figur an die Hexenverfolgungen im Mittelalter, die auch in Jever stattgefunden haben. Foto: Evers

3. Ohne das Internet wäre Querdenken nicht möglich

Neben Donald Trump hat wahrscheinlich das Internet den größten Einfluss auf die Art, wie wir heute miteinander reden. Der Sturm auf das Washingtoner Capitol Anfang des Jahres zeigt das Mobilisierungspotential von tweets und Videos. Die ungeheure Schnelligkeit, mit der eine Information durch soziale Medien verbreitet werden kann, ermöglicht unmittelbare Reaktionen. 

Rein organisatorisch wäre die Initiative „Querdenken“ nicht denkbar ohne die Infrastruktur von Telegram, einer Messengerapp ähnlich wie Whatsapp, mit dem entscheidenden Unterschied, dass Gruppen öffentlich sein können. Eine Gruppe ist schnell erstellt, und alle, die Interesse haben, können durch die Gruppe ihren Teil beitragen. Die Querdenken-Gruppe für die Kundgebungen am Sagenbrunnen hat etwa 100 Mitglieder.10 Wichtiger noch als die praktische Organisation ist allerdings die Informationsweise. Durch die Mitgliedschaft in einer Gruppe besteht nicht nur permanente Bestätigung, sondern es gibt auch ständig neue aufreibende Informationen, die andere Gruppenmitglieder mit Entrüstung kommentieren und in ihren Ansichten stärken. 

Im täglichen Informationshagel in Telegramgruppen gibt es immer wieder neue Videos, in denen bundesweite Galionsfiguren die neuen „Lügen der Regierung“ einordnen. Immer wieder neue Audios von einer besorgten Frau, deren Bekannte beim Gesundheitsamt arbeitet und ihr von der Planung einer Impfpflicht erzählt hat. Immer wieder neue Texte, die wieder und wieder weitergeleitet werden und von einem Artikel berichten (mit Link!), in dem es heißt, die WHO würde von Bill Gates finanziert werden. All das seien doch unverkennbare Beweise, dass hier etwas nicht richtig läuft, so Querdenker häufig. 

Als eine „Filterblase“ wird ein Raum bezeichnet, in den es keine Nachrichten mehr schaffen, die der Rezipient nicht hören will. Schuld dafür sind Algorithmen der großen Internetplattformen, wie YouTube und Facebook, die, einmal auf einem bestimmten Beitrag gelandet, dem Konsumenten immer noch weitere gleiche Inhalte anbietet.11 Die YouTube Autoplay-Funktion ermöglicht es, lediglich einmal ein Video von Bodo Schiffmann anzuklicken, sich zurückzulehnen und ihm stundenlang weiter dabei zuzusehen, wie er sich über Politiker und das RKI echauffiert. Permanente Bestätigung des eigenen Weltbilds und „alternative Fakten“ führen zur Bildung eines Narrativs, dass das eigene Denken immer wieder und wieder bestätigt und keine Alternative mehr zulässt. Kurz: Die alternativen Ansichten der Querdenker sind für Querdenker alternativlos.

Dabei sind „Filterblasen“ wissenschaftlich umstritten und in der Vergangenheit immer wieder kritisiert worden. Tief antwortet auf den Vorwurf, sich in einer solchen zu befinden: 

Diesen Vorwurf kann ich nicht bestätigen. Wir Querdenker kritisieren offene Fragen zu bisher wissenschaftlich unbegründeten Maßnahmen. Damit gehen wir an die Öffentlichkeit, damit jeder unsere Kritik selbst prüfen kann. Unsere Erkenntnisse bekommen wir einerseits durch das Narrativ der Bundesregierung, der Medien und andererseits aus öffentlich zugänglichen Quellen. Dies ist auch im Grundgesetz des Artikel 5 verankert. Wir informieren uns allseitig und umfassend. Der freie Meinungsaustausch ist konstitutiv für eine Demokratie, das bedeutet, dass verschiedene Aspekte zu Wort kommen müssen und es nicht reicht, wenn alle Medien unisono berichten.

– Oliver Tief

Wirklich interessant wird es in Gesprächen zwischen Querdenkern und nicht-Querdenkern vor allem dann, wenn sich dieser Vorwurf gegenseitig gemacht wird, wie es in Jever in der Vergangenheit vermehrt der Fall war. Niemand der beiden Parteien kann belegen, nicht vollends verblendet zu sein oder nur der Masse hinterherzulaufen. Im Übrigen stellt sich generell die Frage, wo Bildung aufhört und Narrativbildung anfängt. Werde ich von Bodo Schiffmann, der aufgewühlt von Kindern erzählt, die an Sauerstoffmangel unter Masken gestorben seien, informiert oder polarisiert? Bestimmen die Informationen, wer wir sind, oder bestimmen wir, was die Informationen sind?

Ein guter Startpunkt, um mit der „Alternative vor’m Sagenbrunnen“ ins Gespräch zu kommen, liegt sicherlich genau in dieser Frage. Warum denken Sie so, und ich nicht? 


Anmerkung des Herausgebers: Herr Tief stimmte der Veröffentlichung des Interviews schriftlich zu. Die Zustimmungserklärung liegt der Redaktion vor. Die verwendeten Ausschnitte aus dem Gespräch wurden unverändert und vollständig übernommen.


Quellenangaben

[1] Demokratie im Schnellverfahren, 18.11.20, tagesschau, aufgerufen über: https://www.tagesschau.de/inland/infektionsschutzgesetz-bundestag-103.html, 07.02.21

[2] Fuchs, Christian: „Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD“, 28.09.20, Zeit Online, aufgerufen über: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-09/christian-lueth-afd-alexander-gauland-menschenfeindlichkeit-migration, 07.02.21

[3] von Lucke, Albrecht: „Widerstand 2020: Wer reitet die Corona-Welle“. Blätter für deutsche und internationale Politik (6/2020), S. 5f.

[4] Franzkowiak, Peter: Präventionsparadox, BZgA, 18.04.18, aufgerufen über: https://www.leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/praeventionsparadox/, 07.02.21

[5] von Lucke, Albrecht: „Widerstand 2020: Wer reitet die Corona-Welle“. Blätter für deutsche und internationale Politik (6/2020), S. 5f.

[6] Schröder, Thilo, Tausche, Nadja: Ist die AfD mittendrin oder nur dabei?, Süddeutsche Zeitung, 14.12.20, aufgerufen über: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/freising/freising-querdenker-telegram-afd-politiker-1.5145111, 08.02.21

[7] Siemons, Mark: Die neuen Gegner kommen aus der Mitte der Gesellschaft, FAZ, 31.01.21, aufgerufen über: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/verschwoerungstheoretiker-zweifeln-rationale-grundlagen-der-demokratie-an-17171227.html, 08.02.21

[8] Conway: Press Secretary Gave ‚Alternative Facts‘, NBC News, 22.01.17, aufgerufen über: https://www.nbcnews.com/meet-the-press/video/conway-press-secretary-gave-alternative-facts-860142147643, 08.02.21

[9] Patenburg, Johannes et. al.: Corona-Proteste und das (Gegen-)Wissen sozialer Bewegungen, 15.01.21, bpb, aufgerufen über: https://www.bpb.de/apuz/wissen-2021/325605/corona-proteste-und-das-gegen-wissen-sozialer-bewegungen, 08.02.21

[10] Telegramgruppe „Querdenken 446 – Friesland“: https://t.me/querdenken446

[11] Lexikon: Filterblase, bpb, aufgerufen über: https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-in-einfacher-sprache/303050/filterblase, 08.02.21

2 Antworten auf „„Querdenken“: Die Alternative vor’m Sagenbrunnen“

  1. Schade, dass dieser Artikel keine inhaltliche Auseinandersetzung vollzieht. Stattdessen wird hier lediglich diffamiert und Personen und Bewegung nach Meinung des Autors eingeordnet. Belege für die Behauptungen sucht man allerdings vergeblich. Das ist ein Paradebeispiel für linke Hetze gegen eine friedliche Bürgerbewegung. Demokratie heißt nicht, dass die angebliche Mehrheit über eine Minderheit regiert, sondern dass alle Menschen ihre Rechte gewahrt bekommen. Die Querdenker setzen sich dafür ein, dass alle Menschen ihre Grundrechte ausüben dürfen. Schade, dass dem Autor das nicht passt.

  2. Sehr geehrter Herr Tief,

    Ihre Kritik an dem Artikel als mangelhaft in der inhaltlichen Auseinandersetzung und diffamierend im Ton empfinde ich als nicht zutreffend.

    Zunächst zum Inhaltlichen: Statt dem Autor Beispiele seiner angeblichen inhaltlichen Mängel vorzuführen und ihm so aufzuzeigen, woran es hapert, sind vielmehr Sie es, sehr geehrter Herr Tief, der pauschal und ohne die nötige Konkretion urteilt, obwohl Sie selbst in dem Artikel in zahlreichen langen Zitaten zu Wort kommen. Man kann Jonas Evers nicht den Vorwurf machen, er hätte Ihrer Sichtweise nicht genügend Raum gegeben oder Ihre Aussagen aus dem Kontext gerissen. Weiterhin ist Ihre Behauptung, er liefere keine Belege für seine Behauptungen, falsch und mutet nicht zuletzt aufgrund der angegebenen Quellen hanebüchen an.

    Zum Diffamierungsvorwurf: Sie, sehr geehrter Herr Tief, werfen dem Autoren vor, sein Text sei ein Paradebeispiel für „linke Hetze gegen eine friedliche Bürgerbewegung“. Vielleicht schlagen Sie zunächst einmal den Rechtsbegriff der Hetze nach, bevor Sie mit solchen Begriffen um sich werfen. Ohne auch nur im Geringsten zu erläutern, was Sie darunter verstehen, fällen Sie ein pauschales Urteil, nennen wieder keinerlei Details, die Sie konkret stören, sondern dozieren im Folgenden über Ihr persönliches Demokratieverständnis, welches auf mich den Eindruck macht, als sei hier zumindest der Minderheitenschutz schief verstanden worden, aber das mag ich aufgrund eines singulären Satzes nicht abschließend beurteilen.

    Die Unterstellung, dem Autoren passe nicht, dass sich selbsternannte „Querdenker“ (natürlich ohne *innen) vorgeblich für die Grundrechtsausübung Aller einsetzen, ist – mit Verlaub – eine Frechheit. Sie, sehr geehrter Herr Tief, haben die Wahrheit so wenig gepachtet wie jede*r andere und Sie sind auch nicht allwissend. Meinungspluralität in einer Demokratie bedeutet, dass man andere Sichtweisen toleriert, auch wenn man sie nicht teilt. Jonas Evers hat dies in seinem Text vorgemacht, leider haben Sie sich dazu entschieden, nicht auf gleichem Niveau zu entgegnen – schade!

    Sie werden in dem Artikel mit folgenden Worten zitiert: „Wenn in der breiten Öffentlichkeit der inhaltliche Austausch mit den Menschen, nicht nur mit den Querdenkern, wieder wertfrei und sachlich geführt würde, hätten wir einen großen Demokratiegewinn erreicht. Die Gesellschaft und die Demokratie können nur im Dialog und durch Zwischenmenschlichkeit existieren. Nur wenn ich den Anderen verstehen möchte, ist ein Miteinander möglich. Die Ablehnung und Ausgrenzung anderer Meinungen ist totalitär und menschenunwürdig.“ Gilt das nur für alle anderen oder auch für Sie, z.B. in Richtung Jonas Evers?

    Ich gratuliere dem Autoren zu dem Antizipieren genau dieses ersten Kommentars auf seinen Artikel, wenn er schreibt: „Jeder Versuch, diese Schlüsse zu widerlegen mündet in der Pauschalisierung des Gegenübers als uninformiert oder dem Vorwurf der Diffamierung. So wird auch dieser Artikel aufgefasst werden.“

    Vielleicht sollten Sie, sehr geehrter Herr Tief, sich einmal fragen, woran es liegen könnte, dass man schon vorher weiß, wie Ihre Reaktion aussieht. Gerne hätte ich gelesen, was Sie konkret anders sehen als Jonas Evers und warum eine andere Sicht als die Ihre gleich „linke Hetze“ sein soll. Vielleicht mögen Sie darüber ja doch noch einmal im Sinne eines fairen Meinungsaustausches aufklären. Sie werden in dem Artikel mit den Worten zitiert, sie wollten „mit jedem Menschen auf Augenhöhe umgehen“ – nur zu!

    Mit freundlichen Grüßen
    J. Ploeger-Lobeck

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