Sonnenuntergang des Pfannkuchengesichts?

Donald Trumps Corona-Infektion und die US-Wahlen 2020

von Luisa M. Zimmermann (Kl. 10)

Foto: chickenonline auf pixabay.com

Donald Trumps Corona-Infektion ist wohl Eins zu Eins die Definition von Karma. Und, Hand aufs Herz, traf es nicht den Richtigen? Klar, man wünscht niemandem eine Krankheit ohne Grund an den Hals, doch allen dürfte bewusst sein, dass seine Infektion definitiv gravierende Auswirkungen auf den Wahlkampf hatte. Man würde auf den ersten Blick zwar vor allem zuerst darauf tippen, dass Trump durch die Covid-19-Infektion nur im Wahlkampf geschwächt wurde; trotzdem dachten einige Personen, es hätte ihn auch stärken können. Dafür spricht vor allem, dass viele Amerikaner gar nicht wahrhaben wollten, dass Trump selbst daran Schuld ist, sich mit dem Virus angesteckt zu haben..

Viele seiner Anhänger denken tatsächlich immer noch, dass die Demokraten ihn durch eine Bio-Waffe mit dem Virus infiziert hätten (https://www.zdf.de/nachrichten/politik/us-wahlen-trump-corona-infektion-verschwoerung-100.html). Das würden sie daran fest machen, dass unter der Führung von Joe Biden im Vergleich so wenig Demokraten an Corona erkrankt seien. Hinzu käme, dass Trump von Anfang an gemeint hätte, das Virus wäre kontrollierbar und man müsse sich keine Sorgen machen (https://www.braunschweiger-zeitung.de/politik/article230585202/Warum-Corona-ein-enormer-Schlag-fuer-Trumps-Wahlkampf-ist.html). Er war zwar für eine kurze Zeit im Krankenhaus, erholte sich aber laut eigenen Aussagen schnell und lenkte die Aufmerksamkeit wieder darauf, dass das Virus gar nicht so schlimm sei, wie es in den Medien dargestellt wird. Als letztes wäre da eventuell ein kleiner Mitleidsbonus. Und trotzdem darf man nicht vergessen, dass es noch sehr viel mehr Argumente gibt, die dazu geführt haben, das Donald Trump jetzt um seinen Posten bangen muss. Seine Glaubwürdigkeit jedenfalls ist schon seit einiger Zeit selbst unter Republikanern ins Wanken geraten (https://www.nytimes.com/article/republicans-voting-for-biden-not-trump.html).

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Für den wahrscheinlichen Verlust seiner Präsidentschaft sprach zudem, dass nicht nur Donald Trump selber, sondern auch wichtige Personen in seinem Umfeld, Berater und Wahlstrategen, infiziert waren. Das zweite TV-Duell fiel aus – vermutlich ein weiterer herber Rückschlag. Das letzte TV-Duell zeigte dann einen im Stil gemäßigteren Trump, der dennoch inhaltlich seine Agenda fortsetzte. Hätte er nicht eigentlich noch in Quarantäne sein müssen? Die Betonung liegt hier auf „eigentlich“, denn auch an diese Regel hält sich Trump nicht.

Und obwohl der Präsident sowieso immer sagt, ihm gehe es bestens, dürfte dieser stark unter seiner Infektion gelitten haben. Seine Aussagen verstricken sich nämlich in starke Widersprüche, während gleichzeitig vermehrt Aufmerksamkeit auf Covid-19 gelegt wird. Ein paar klassische Beispiele dafür sind z. B. die Maskenplicht oder die Kontrollierbarkeit des Virus‘. Am Anfang und auch jetzt noch, legt Donald Trump sehr wenig Wert auf die Masken. Und das, obwohl Donald Trump mit einem Alter von 74 Jahren klar zur Risikogruppe gehört und sich deshalb erst Recht versuchen sollte zu schützen.

Es ist durchaus denkbar, dass Trumps eigene Corona-Infektion eine Abwärtstrend in Gang setzte, der ihn im Ergebnis seine Präsidentschaft kosten könnte. Der aktuelle Stand zwei Tage nach der US-Wahl ist folgender: Joe Biden fehlen nur noch 6 Stimmen der Wahlleute, um die Wahl endgültig zu gewinnen. Momentan, am 5. November 2020 um 17:50 bräuchte er also nur noch einen Swing State. In Nevada liegt Biden im Moment um 0,6% vorne, dieser Vorsprung sollte sich allerdings weiter ausbauen, weil die Briefwahlergebnisse meistens zum Schluss ausgezählt werden und viele Demokraten sich dieser Wahlform bedient haben (https://www.newyorker.com/news/election-2020/live-2020-presidential-election-results).

Man kann ja von jedem Menschen denken was man will, aber selbst in den USA, dem Land der Träume und Möglichkeiten, scheint das Pfannkuchengesicht langsam unterzugehen.

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