Back to school

Ein persönlicher schulisch-pandemischer Rückblick

von Chiara Fleßner (Kl. 8)

Mittlerweile hat sich die virologische Lage anscheinend ein wenig beruhigt. Einige Maßnahmen wurden aufgehoben, Geschäfte, Friseure und Nagelstudios haben wieder geöffnet und für uns SchülerInnen beginnt mehr oder weniger wieder der Alltag in puncto Schule. Allerdings musste vieles geändert und der Situation angepasst werden.

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Im Großen und Ganzen dürfte jedem die Neuheiten bekannt sein: Es gilt Maskenpflicht, außer an den Sitzplätzen. Beim Eintreten ins Gebäude müssen sowohl die gekennzeichneten Wege für den Aus- und Eingang eingehalten werden, als auch die Hände desinfiziert werden. Präsenzunterricht gibt es nur in den Fächern, die im Klassenverband stattfinden und immer nur im eigenen Klassenraum; die Sitzplätze haben den notwendigen Sicherheitsabstand zueinander und die Klassen sind in zwei Gruppen aufgeteilt, die im Wechsel an der Schule und zu Hause unterrichtet werden Eine Menge neue Regeln, die jedoch notwendig sind, um die Öffnung unserer Schule überhaupt wieder möglich zu machen. Doch wie gut funktioniert das Ganze?

Bussfahrt mit Fremden

Mittwoch, 03.06.2020, mein erster Schultag nach der Coronapause. Erste Änderung: die Busfahrt. Durch die Wochenaufteilung der Schulen fährt zu meinem Pech leider kaum eine Person mit, die am MG aussteigt. Das Schlimmste am Busfahren ist für mich jedoch die Maske, die man nun, in meinem Fall, knappe 40-50 Minuten tragen muss. Sobald ich die Schule erreicht hatte, musste ich mich erst einmal orientieren, wo ich jetzt lang laufen darf und wo nicht.

Überall Masken

Es war ein komisches Gefühl, sich über das Schulgelände zu bewegen und nach langer Zeit mal wieder viele Menschen auf einem Haufen zu sehen, wovon die meisten ungefähr in meinem Alter waren. Überall, wo man hinschaute, standen Schüler und Lehrkräfte mit Masken, ich hingegen behielt meine solange in der Hand, wie es möglich war, immerhin war ich froh, wieder vernünftige Luft atmen zu können nach meiner Busfahrt. Zu Beginn sind mir die eingezeichneten Wege, die Ein- und Ausgang voneinander trennen, nicht aufgefallen – habe sie aber glücklicherweise noch rechtzeitig gesehen. Dann Maske auf und durch die Tür in die Pausenhalle. Dort war keine Person ohne Mund-Nasenschutz, ein Haufen der unterschiedlichsten Formen und Farben. Der Lehrer, der mich anstarrte, um zu prüfen, ob ich auch wirklich meine Hände desinfizierte, hat mich mit seinem Blick stark verunsichert und ein wenig irritiert. Gut, dass mein Klassenraum in der Nähe war.

Zurück im Unterricht

Als ich in die Klasse kam, waren die meisten Plätze bereits besetzt, ich habe jedoch einen guten Platz an der Wand bekommen, an dem ich direkt meine Maske abnahm. Ein großer Pluspunkt an der Öffnung der Schule ist definitiv das Wiedersehen mit den Mitschülern. Der Unterricht ist zwar zum Lernen da, doch zusammen motiviert es einen viel mehr als alleine zu Hause, wo viele Dinge stehen, die einen ablenken können.

Der Unterricht verlief ganz gut, es wurden zu Anfang die Regeln erklärt und in so gut wie jedem Fach zunächst die Homeschooling-Aufgaben besprochen. Da die einzelnen Jahrgänge kurz vor den Sommerferien immer weiter dazustoßen, gibt es wenig, was im Unterricht neu angefangen werden kann. In den meisten Fächern werden die laufenden Themen einfach noch präziser behandelt. Man merkt jedoch, wie schwer es den Lehrern und Lehrerinnen fällt, niemanden an die Tafel zu holen, keine Gruppenarbeiten durchzuführen oder keine Arbeitsblätter zu verteilen. Soweit noch wenig Negatives.

Probleme

Doch das ändert sich spätestens in der Pause. Da wir nun in den Klassenräumen die Pausen verbringen dürfen, nutzen wir dies auch aus. Dabei wird nicht ganz so intensiv auf den Sicherheitsabstand geachtet, vor allem, was das Müllwegbringen angeht. Das auch während der Pausen auf dem Schulhof das Abstandhalten nicht so super funktioniert, ist bestimmt auch schon den meisten aufgefallen. Auch vor und nach der Schule laufen Schüler dicht an dich vom Gelände. Doch lässt sich das überhaupt ganz vermeiden? Schließlich treffen sich viele auch privat und sehen es dann nicht ein, in der Schule Abstand zu halten. Gelegentlich kommt es auch vor, dass jemand den Klassenraum verlässt und vergisst seine Maske aufzusetzten, auch wenn er dies schnellstmöglich nachholt.

Das größte Probleme ist in meinen Augen jedoch zum Einen die Notenvergabe, da wir nun kaum Gelegenheit hatten, uns eine gute Note aufzubauen, was vor allen Dingen bei neuen Lehrern problematisch ist. Da die Aufgaben im Homeschooling nicht benotet werden dürfen, erscheint es mir besonders im Fach Kunst schwierig, eine vertretbare Note zu bekommen. Zum Anderen sehe ich bei der Pflicht, die Tür offen zu lassen, einen Nachteil, da man so durch unterschiedliche Geräusche anderer Klassen teilweise massiv gestört wird. Beispielsweise hat die Nachbarklasse in einer unserer Stillarbeitsphasen ein Lernvideo laut laufen gehabt. Oder wegen irgendeiner Sache laut los gelacht – das sei ihr natürlich gegönnt!

Insgesamt gut gelaufen

Alles in allem funktionieren die Schultage mit Coronamaßnahmen aber ganz gut. Das Lernen in den geteilten Gruppen sorgt bei den LehrerInnen zwar für ein wenig Verwirrung, aber sei’s drum. Vor allem bekommt man die Chance, mündlich seine Note zu verbessern, da das Augenmerk der Lehrer nur noch auf die Hälfte der Schüler gelenkt wird. Nun sind die Noten bereits „im Kasten“ und die Sommerferien in Sicht. Wie es wohl danach weiter geht?

Hätte ich die Wahl zwischen Homschooling und Präsenzunterricht, würde ich definitiv nur noch zur Schule gehen wollen.

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