Keine Entschuldigung, keine Wiedergutmachung

Geschichte und Gegenwart des deutschen Kolonialismus in Afrika

von Luisa Zimmermann (Kl. 9)

Es ist eine Frage der Moral und Schuld. Nachdem das Deutsche Reich bis 1918 Kolonien in Afrika und Übersee besaß und diese dann nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg im Versailler Vertrag wiederwillig abtreten musste, waren die damaligen imperialen Träume lange ein Tabuthema in der Bundesrepublik. Erst seit kurzer Zeit wird der Kolonialismus als Problemgegenstand wieder intensiver diskutiert. Viele der ehemaligen Kolonien sind heute arm, weil sie in der Kolonialzeit stark ausgebeutet wurden. Dass auch Deutschland daran Schuld trägt, ist eigentlich klar, trotzdem gibt es viele Fragen, die noch offen sind.

Beschönigende Postkarte von 1914; Quelle: commons.wikimedia.org

Mit Kolonialismus ist die Beherrschung eines Landes durch ein Volk aus einer anderen Kultur gemeint. Besonders die Europäer haben lange Zeit über große Gebiete in Amerika, Asien, Ozeanien und Afrika geherrscht. Grundlage für den Kolonialismus waren die Entdeckungsreisen europäischer Seefahrer wie z. B. Christoph Kolumbus. Das deutsche Reich stieg erst spät in die Reihen der Kolonialmächte auf, besaß dann aber Kolonien in Afrika, China und im Pazifik. In Afrika eigneten sich die deutschen Kaiser folgende Länder an: Kamerun (1884–1916), Deutsch-Südwestafrika (1884–1915, heute Namibia), Deutsch-Ostafrika  (1884–1916, heute Tansania, Burundi und Ruanda) und Togo (1884–1914).

Vor allem im heutigen Namibia kam es zu Kämpfen zwischen Deutschen und den dort lebenden Völkern der Nama und Hereros. Während dieser kriegerischen Auseinandersetzungen  wurden die Einheimischen von der Deutschen Kolonialarmee in eine Wüste gejagt und alle Zugänge blockiert, wodurch ca. 80% der Hereros und 50% der Nama qualvoll verdursteten. Auf Grund dieser hohen Zahlen sprechen Historiker oft von einem Genozid – einem beabsichtigten Völkermord. Der Deutsche Bundestag jedoch hat dies noch nicht offiziell anerkannt.

Lange wurde dieses Thema tabuisiert. Heute steht die Bundesregierung zwar in Dialog mit den Nachkommen der damaligen Opfer, dennoch gibt es bisher keine Entschuldigung und Wiedergutmachung für die Verbrechen dieser Zeit. Indes bemüht man sich um einen positiven Entwicklungsverlauf zwischen den beiden Ländern. Zu den Entschädigungen äußert sich der Sondergesandte für deutsch-namibische Beziehungen, Ruprecht Polenz, dahingehend, dass es um Bildung, Wohnraum, Gesundheitsversorgung, Elektrizitätsversorgung gehe. Es sei „ein Pakt für besonders betroffene Gemeinden, also die Siedlungsgebieten der Herero und Nama“ geschlossen worden, „um Wunden aus der damaligen Zeit zu heilen“ (Das Parlament vom 06.01.2020, Seite 4; http://epaper.das-parlament.de/2020/2_3/index.html#0). Geraubte Kunstgegenstände aus Afrika sollen jedoch in Deutschland bleiben.

Viele Fragen rund um den Kolonialismus sind noch offen und werden dies auch erst einmal bleiben. Dieses Jahr wird sich der Bundestag jedoch intensiver mit der hochproblematischen Geschichte des Deutschen Reichs in Afrika beschäftigen. Dabei wird es vor allem auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Deutschen und Afrikanern ankommen.

Weiterführende Informationen:
Das Parlament vom 06.01.2020, Sonderthema: Das koloniale Erbe; http://epaper.das-parlament.de/2020/2_3/index.html#0

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