Nicht nur seltsam, sondern selten

Stark bedrohte wenig bekannte Tiere

von Nur Ali (Kl. 11)

Illustration: Emily van Hattinga (THE ART-TEAM), Kl. 7

Viele Tiere sind aufgrund rücksichtslosen Verhaltens von Menschen stark bedroht. Jeder kennt typische Aushängeschilder wie Eisbären, Pandas, Tiger, das Breitmaulnashorn oder auch die Berggorillas. Aber es gibt auch Arten, die nur wenige Menschen kennen geschweige denn schon einmal lebendig gesehen haben. Diese Tiere leben still und leise, unseren Augen oft, aber nicht immer, verborgen und leiden im Hintergrund mindestens genau so sehr wie die Arten, die Berühmtheit fanden und um jeden Preis geschützt werden.

Zum Beispiel Tiere wie die Saiga-Antilope: Viele Menschen finden ihr Aussehen befremdlich. Nicht nur, weil kaum jemandem diese Antilope bekannt ist, sondern vor allem, weil sie selten geworden ist. Besonders markant ist ihre rüsselartige Nase, die wir bei Antilopen gar nicht gewohnt sind. Die Saiga-Antilope lebt in trockenen Steppenlandschaften und Halbwüsten. Ihre geografischen Verbreitungsgebiete sind Russland, Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan und die Mongolei. In den 1990er Jahren gab es große Jagden nach der Saiga-Antilope, was den Bestand gefährdete. Gerade als die Saiga-Antilope sich zu erholen schien, fand in Kasachstan ein großes, mysteriöses Massensterben statt: Im Mai 2015 sind innerhalb kürzester Zeit mehr als 200.000 Tiere verendet. Als man im Juli 2015 den Bestand überprüfte, wurden nur noch rund 31.000 Exemplare gezählt. Dahinter steckte ein Bakterienstamm, der die Wild-und Rinderseuche hervorruft.  Besonders die mongolische Saiga zeigt sich mit einer Bestandsgröße von lediglich 12.000 Tieren stark gefährdet (vgl. https://mobil.wwf.de/themen-projekte/artenlexikon/saiga-antilope/).

Auch die Axolotl sind so gut wie ausgestorben. Ein Axolotl ist eine Amphibie, die ausschließlich im Xochimilco-See in Mexiko-Stadt beheimatet ist. Wegen ihres Aussehens wird sie umgangssprachlich als Wasserdrache bezeichnet. Durch zunehmende Verschmutzung des besagten Sees, Tourismus, Abwasser und die Einführung invasiver (nicht dort beheimateter) Arten, ist der Axolotl kaum mehr in der Wildnis anzutreffen. Es gibt ihn fast nur noch in der Zucht für Aquarien (vgl. http://www.biologie-schule.de/axolotl-steckbrief.php).

Ein Axolotl; Foto: pixabay.com

Sehr interessant und auch wenig bekannt ist der Gangesgavial. Er ist der einzige heute noch lebende Vertreter der Gaviale innerhalb der Krokodile. Das auffälligste Merkmal ist seine lang gezogene Schnauze. Seine Heimat liegt in Nepal und im Norden Indiens. Innerhalb von 60 Jahren sank der Bestand um erschreckende 96% bis 98%. Das sind von rund 10.000 Tieren lediglich 200 noch lebende Exemplare. Dieser starke Bestandsabfall ist auf Jagd, Staudämme und Bewässerungskanäle zurückzuführen. Die Häute waren als Accessoire und in der Medizin sehr beliebt. Auch wurden die Gelege großzügig geplündert, da die Eier als Delikatesse galten (vgl. http://www.biologie-seite.de/Biologie/Gangesgavial).

Zwei Gangesgaviale; Foto: pixabay.com

Das letzte Beispiel betrifft den Koboldhai, einen mysteriöser Tiefseehai, über den man kaum was weiß. Leider ist es aufgrund des starken Druckunterschiedes nicht möglich, Koboldhaie lebendig an Land zu ziehen. Ihre Körper sind großen Druck gewohnt und der plötzliche Druckabfall nahe der Wasseroberfläche und an der Luft lässt die Tiere sofort verenden. Eine Haltung im Aquarium ist damit undenkbar. Der Koboldhai ist durch sein uriges und unheimliches Aussehen ein wirklich geheimnisvolles Tier. Man erkennt ihn sofort an seiner langen Schnauze, seinen nagelartigen Zähnen und seinen starrenden, kleinen Augen. Er kann eine Körperlänge von bis zu 3,85 Metern erreichen. Ein im nördlichen Golf von Mexiko gefangenes, sich in 1000 Metern befindliches Exemplar war sogar über 6 Meter lang. Der Koboldhai hält sich vor allem in Tiefen zwischen 100 bis 1300 Metern auf. Seine Verbreitungsgebiete sind der Golf von Mexiko, der Atlantik, der indische Ozean und der Pazifik (vgl. https://www.biologie-seite.de/Biologie/Koboldhai).

Es gibt selbstverständlich noch viel mehr Tiere, die  unentdeckt sind und von denen wir keine Ahnung haben, wie groß der Bestand ist. Eines ist jedoch sicher: Nach solchen Tieren zu suchen, ist eine unglaublich spannende Angelegenheit. Es gibt immerhin richtige Legenden, wie das Monster von Loch Ness, Big Foot, den Yeti oder auch den Megalodon-Riesenhai. Nach solchen Tieren – manche gab es tatsächlich, andere scheinen der Fantasie entsprungen zu sein – wird stetig und innig gesucht. Die Neugier des Menschen ist in dieser Sache unstillbar, genau wie seine tödliche Gier.

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