How High School Works

Ein Tag an der Port Huron High School

von Jonas Evers (Kl. 11, ALJ)

Jeden Morgen um 7:35h betreten etwa 1400 Schüler und ein deutscher Austauschschüler ihre Unterrichtsräume in der Port Huron High School. Doch ab Sekunde eins ist das Bildungserlebnis ein ganz anderes, als wir es in Deutschland kennen. Willkommen!

Um einen High School-Abschluss zu erhalten, muss jeder Schüler in seinen vier Jahren, die er an der High School verbringt, eine bestimmte Anzahl von Credits erhalten. Port Huron High School, oder kurz „PH“ stellt Schülern dafür eine Reihe von „counselors“ (Beratern) zur Seite, die helfen, einen geeigneten Stundenplan zusammen zu stellen, denn man darf selbst bestimmen, welche Fächer man wann belegt. Jeden Tag haben die Schüler denselben Unterrichtsablauf, die Stundenpläne sind jedoch individuell. In den weiten Fluren der Schule kreuzen sich die Bahnen der jungen Erwachsenen, die in den fünfminütigen Pausen von einem Klassenraum zum nächsten laufen.

Eins der beiden einzigen Pflichtfächer ist „ELA (English Language Acquisition)“. Unterrichtet wird ELA unter anderem von Mr. Kreiner, der mit uns im Moment „The Great Gatsby“ liest, eine Liebestragödie von F. Scott Fitzgerald in der Kulisse New Yorks der 1920er Jahre.

Mr Kreiner im Unterricht; Foto: Jonas Evers

Jeder Lehrer hat seinen eigenen Klassenraum, den er nach Belieben gestalten kann. Wie unschwer an seinem Klassenzimmer zu erkennen ist, ist Mr Kreiner ein Mann weniger Worte. Viel lieber lässt er im Unterricht die Literatur selbst, Filme, Musik oder Bilder sprechen. Häufig lesen wir ein Buch, schauen einen Film und bekommen einen Fragebogen. In der nächsten Phase analysieren wir das Werk genauer und schreiben einen eigenen Bericht, der sich mit der Geschichte befasst. Dazu können wir entweder auf unsere Notizbücher zurückgreifen, die jeder von uns am Anfang des Schuljahres bekommen hat, oder auf unsere „Chromebooks“, Laptops, die ebenfalls jeder Schüler besitzt.

Auch in „AP Government & Politics“ benutzen wir unser „Chromebook“ häufig. Der Kurs, der sich, wie sich leicht erahnen lässt, mit der amerikanischen Politik beschäftigt, kann eine der drei „Social Science“-Credits sein, die man benötigt, um einen High School Abschluss zu bekommen. Das „AP“ im Namen des Kurses steht dabei für „Advanced Placement“ und ist damit nicht nur Hinweis auf ein erhöhtes Anforderungsniveau, sondern qualifiziert den Kurs somit auch als ein Credit an einem College, oder einer Universität in den USA, der dann später angerechnet werden kann.

Mrs Davis ist eine Lehrerin für das Fach „AP Government & Politics“. Jeden Morgen präsentiert sie uns fröhlich mit einer Google Slideshow die Ereignisse des gestrigen Tages. Wir lernen darüber, wie der Regierungsapparat der USA genau funktioniert, welche Faktoren bei einer Wahl eine Rolle spielen und was die politischen Debatten zwischen Republikanern, Demokraten und allem dazwischen beherrscht. Unsere Aufgabe heute war es, dazu mit unseren Computern Nachforschungen anzustellen und einen Dialog zwischen einem Republikaner und einem Demokraten zu inszenieren. Passend als Puppentheater.

Mrs Davis‘ Puppentheater; Foto: Jonas Evers

Um einen Abschluss zu bekommen, benötigt man auch jeweils einen Credit aus der Kategorie „Health“ und „Gym“. Jeden Morgen zieht es deshalb dutzende Schüler in die Sporthallen von PH. Eine von vielen „Gym-Classes“ ist „Recreational Sports“ (Erholungssportarten). Jeden Tag schauen wir uns dabei einen anderen Sport an. Von Klassikern wie Flag-Football, bis hin zu Ultimate Football und Football Tackle ist alles mit dabei!

Neben den für Deutsche eher normal wirkenden Fächern gibt es auch ausgefallenere Unterrichtsstunden an der High School. In der Kategorie „Electives“ (Wahlfächer), aus der man mindestens drei Credits für einen Abschluss braucht, gibt es unter anderem „Mythology“, „Photography“, „Performing Arts“, „Robotics“, „Engineering“, „Marching Band“ oder „Guitar Performance“, um nur ein paar zu nennen. „Digital Design“ gehört auch in diese Kategorie.

Unterrichtet von Mrs Jones lernen wir im Fach „Digital Design“ , Kunstwerke in Adobe Illustrator und Photoshop zu erschaffen. Dazu hat PH eine Vielzahl an Computerräumen, dessen Rechner mit allen nötigen Programmen ausgestattet sind. Der Fokus beim Erschaffen von Werken wird dabei nicht nur rein auf Kreativität gelegt, sondern wir müssen für jede Aufgabe bestimmte Standards einhalten, um die höchstmögliche Punktzahl zu bekommen. Zu unseren Inhalten gehört auch das Erstellen von Postern oder Flyer, die für schulische Zwecke genutzt werden.

Schulunterricht in „Digital Design“; Foto:Jonas Evers

Wer im ersten Jahr an Digital Design Gefallen gefunden hat, der kann den Kurs auch im zweiten Jahr wählen. Die weiter fortgeschrittenen Schüler werden zusammen mit denen im ersten Jahr unterrichtet, erhalten allerdings abgewandelte Aufgaben und Herausforderungen. Und was in Deutschland nach der Schulzeit angeboten wird, ist an PH ein Unterrichtsfach: In „Concert Choir“ bei Mr Raney lernen wir neben dem klassischen Chorgesang auch über Stimmbildung, Musikgeschichte und -kultur.

Mr Raney’s „Concert Choir“; Foto: Jonas Evers

Nach dem Schulalltag geht es für die meisten Schüler erst einmal nach Hause, bevor sich am Nachmittag an einer Vielzahl von Aktivitäten beteiligt werden kann. Das sehr erfolgreiche Baseball Team der Schule z.B. trainiert täglich, um sich auf die anstehende Saison vorzubereiten. Auch Tennis, Schwimmen, Basketball, Fußball, Football, LaCrosse oder Golf werden angeboten. Für diejenigen, die von Sport nicht so begeistert sind, gibt es das Musical (dieses Jahr wird „The Wizard of Oz“ präsentiert), verschiedene Chöre, Bands und einen „Dungeons and Dragons Club“ (Rollenspiel).

Auch die Schülerzeitung The Lighthouse (https://phhsthelighthouse.weebly.com) entsteht in einem der unzähligen Klassenräume nach der Schule. Und genau so, wie sich die deutschen Leser für die amerikanische High School interessieren, so sehr interessieren sich die The Lighthouse-Leser auch für die deutsche Schule. Hier geht es zum Artikel „The Mariengymnasium – School Reversed“ in The Lighthouse, Ausgabe April 2019, S. 3 (https://www.flipsnack.com/phhsthelighthouse/the-lighthouse-edition-2.html).

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