Hinter den Kulissen der Musical-AG

Ein Interview mit Jens Marnowsky

von Chiara Fleßner (Kl. 8)

„Man muss einfach dran bleiben und weiter machen!“ Ermutigende Worte von Jens Marnowsky, dem Leiter der Musical AG des Mariengymnasiums.

Fast jeder an unserer Schule hat schon einmal etwas von der Musical-AG gehört oder sogar in einer ihrer Vorstellungen gesessen. Doch wer weiß genauer, was eigentlich hinter der Bühne vor sich geht? Um dies herauszufinden, habe ich ein Interview mit Herr Marnowsky geführt.

Ideenskizze von Jens Marnowsky

Zunächst wollte ich wissen, woher er sich die Inspiration für all die Stücke holt, denn für die, die es noch nicht wussten, Herr Marnowsky schreibt die Stücke der AG selbst, mal nach Vorlagen, mal ganz frei.  Als er 1988 sein erstes Musical komponierte, das den Titel „Britts“ trug „hatte ich einfach nur Lust ein Stück auf die Beine zu stellen, aber wie das geht, davon hatte ich eigentlich noch wenig Ahnung. Ideen zu bekommen, kann man sich schlecht vornehmen, ich habe einfach bisher das Glück gehabt, dass ich immer einen Einfall hatte, und wenn ich den nicht mehr haben sollte, dann muss ich auch aufhören.“ Doch irgendwoher müssen die Ideen doch stammen, also hakte ich nach. „Wie Inspiration funktioniert, kann ich nicht sagen. Ich gehe viel ins Theater, und häufig sieht man dann irgendetwas und sagt sich: ‚So etwas in der Art, das kann ich mir auch vorstellen‘“.  Die erste Idee für das aktuelle Musical bekam Herr Marnowsky übrigens durch zwei verschiedene Theaterstücke, die er vor ein paar Monaten gelesen hatte.

Mich interessiert natürlich, ob ich etwas zur derzeitigen Arbeit erfahren kann: „Nach dem letzten Stück mit dem historischen Thema „30 Jahre Mauerfall“ ist das nächste Musical nun der Versuch, etwas ganz Modernes zu machen.“ Hierbei handelt es sich um die Geschichte zweier Gruppen in der heutigen Zeit. Die einen versuchen alles richtig zu machen, essen gesund, haben Regeln und dadurch angeblich keine Probleme. Damit soll gezeigt werden, dass so etwas irgendwie auch keine Lösung ist. Die andere Fraktion besteht aus den brutalen Leuten der Großstädte, denen man nachts nicht über den Weg laufen möchte. „Diese beiden Gruppen treffen aufeinander. Wir wollen damit zeigen, dass wir nicht für die eine oder gegen die andere sind, sondern, dass beides kein guter Weg ist und wir uns die Frage stellen: ‚Ja, wie wollen wir eigentlich leben? Wo geht es in Zukunft hin?‘“ Im Theater, so Marnowsky, würden ja häufig grundlegende Fragen gestellt, aber den Zuschauern nicht notwendig Lösungen angeboten.

Und wie sieht es mit den Schauspielern aus? Wie werden zum Beispiel die Hauptrollen vergeben?  Marnowsky: „Generell müssen wir keinen wieder weg schicken. Die Hauptrolle entscheidet sich dann häufig nach dem Können der AG-Teilnehmer, ob man für die Rolle der richtige Typ ist, dann auch, wie lange man schon dabei ist, – Neuling oder Stammpersonal –, und wenn für die Rolle ein schönes Lied vorgesehen ist, wäre es auch schön, wenn der- oder diejenige dieses auch singen kann.“ Doch was macht man, wenn jemand gerne spielt, aber nicht singen oder tanzen kann? „Dann versuchen wir die Rolle ohne eine Lied zu gestalten. Im Chor allerdings muss jeder irgendwie mitsingen, doch solo nur freiwillig, denn das kann man nicht erzwingen. Einen Solopart muss man wollen.“

Notenskizze von Jens Marnowsky

An diesem Punkt stellt sich auch die Frage nach dem Musikstil. Dieser, so Marnowsky, hänge „vom Stück ab, da bin ich sehr vielseitig, es muss nicht immer die gleiche Richtung sein. Im neuen Stück wird zum Beispiel auch Hip-Hop vorkommen.“ Seit dem Schuljahr 2016/17 leitet Herr Manowsky neben seiner Regiearbeit auch die Band der Musical-AG mit zurzeit 13 Musikern.

Man kann sich vorstellen, dass das alles eine Menge Zeit in Anspruch nimmt. Ich möchte wissen, wie viel genau. „Ich bekomme zwei Stunden von der Schule, also wie für ein zweistündiges Unterrichtsfach, aber ich glaube, ich brauche das Fünffache.“ Natürlich haben die vielen investierten Stunden auch einen positiven Nebeneffekt, nämlich den der Professionalisierung: „Wenn ich mir jetzt die Aufnahmen von meinem ersten Stück ansehe, werde ich immer noch ganz rot im Gesicht, weil ich erkenne, was alles von einem Anfänger gemacht wurde.“ Kann man dabei auch von Schüler/innen lernen? Marnowsky: „Ich lerne jedes Mal dazu. Jedes Mal werde ich von Dingen überrascht, die ich ganz toll finde, und außerdem ist jede Gruppe wieder neu und reagiert anders, sodass ich, auch wenn ich glaube zu wissen wie es funktioniert, immer wieder überrascht werde, dass es doch anders geht. Der Entstehungsprozess eines unserer Musicals ist nie ganz berechenbar.“

Wenn jemand nun Lust bekommen hat, bei der Musical-AG oder bei der Musical Junior-AG mitzumachen, wendet Euch bitte an Herrn Marnowsky, dem ich für dieses interessante Interview herzlich danke!

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