Laulupidu

Das große Sängerfestival in Estland

von Paula Schüßler (Kl. 11)

Das Laulupidu gehört den traditionellsten Festen Estlands, es ist aufgenommen in das UNESCO-Weltkulturerbe und weltweit bekannt.

Estland, ein kleiner osteuropäischer Staat im nördlichen Baltikum, zwischen Lettland und Finnland. In Tallinn, der kleinen Hauptstadt direkt an der Ostsee, steht die muschelartige Bühne, auf der an diesem Tag 30.000 Sänger traditionelle estnische Lieder singen werden, die exklusiv für dieses Konzert geschrieben und monatelang geprobt wurden.

Festivalbühne in Tallinn mit Massenchor, Foto: Paula Schüßler

Die Tradition des Sängerfests wurde bereits im Jahre 1869 begründet und findet seitdem regelmäßig in einem fünfjährigen Turnus statt. Eine Ausnahme jedoch gab es in diesem Jahr. Wegen des 100. Geburtstags Estlands 2018 und 150. Geburtstags des Sängerfestes in diesem Jahr, fand am 08. Juli 2019 ein Geburtstagskonzert statt, ein riesiger Festakt, der intern bereits seit vier Jahren vorbereitet wurde. Zunächst galt es, die Lieder zu schreiben, dann übten die Chöre landesweit diese Kompositionen. Schließlich wurde nach Qualität ausgesucht, ob die jeweiligen Chöre am Songfestival teilnehmen dürfen oder nicht. Auch die Dirigenten bereiteten sich vor und das Staatsorchester probte auf Hochtouren. Schließlich sollte alles perfekt sein an diesen zwei speziellen Tagen im Jahr.

Eigentlich sollte es jedem Esten ermöglicht werden, am Laulupidu teilzunehmen. Nicht zuletzt deshalb sind die Eintrittskarten mit 15€ so preiswert angesetzt, denn Gewinn ist nicht vorgesehen. Doch dieses Mal ist das Festivalgelände komplett ausverkauft. Ab zehn Uhr morgens stehen die Besucher vor den noch verschlossenen Toren. Kaum geöffnet, strömen die Menschenmassen auf das Gelände. Direkt vor der Bühne gibt es einen abgetrennten Bereich mit Bänken; der Rest der Besucher findet auf der riesengroßen Wiese, die auf einem Hang liegt, Platz. Auf Picknickdecken sitzen 70.000 Menschen und warten auf die Eröffnung des Konzertes. Zudem befinden sich 30.000 Sängerrinnen und Sänger auf dem Gelände.

Dann ist es soweit: Das Abschlusskonzert des Sängerfestes wird endlich eröffnet. Der erste Chor kommt auf die Bühne und fängt an zu singen. Das Orchester spielt und die Dirigenten bereiten sich für die kommenden Lieder vor. Von mittags bis abends werden immer wieder verschiedene Chöre gemeinsam oder getrennt estnische Lieder singen. Die Texte beziehen sich vielfach auf die Befreiung von der russischen Herrschaft, die Unabhängigkeit des Landes seit 1991 sowie auf den estnischen Nationalstolz. Das Feuer, welches zu Beginn des Festes entzündet und durch das ganze Land getragen wurde, erlischt nun, während das letzte Lied von allen Chören gemeinsam mit dem Publikum gesungen wird. Für jeden Teilnehmer ist dies ein sehr besonderer Moment, denn das Lied hieß „Üksi pole keegi“, was so viel bedeutet wie „Keiner ist allein“. Sein Text hat eine enorme nationale Bedeutung für alle Esten, auch heute noch, da sich der estnische Staat wieder von Russland bedroht fühlt.

Nach acht Stunden Singen und Tanzen endet das 150. Sängerfest um 22 Uhr abends. Und genau mit dem Ende der beeindruckenden Veranstaltung beginnen bereits die Vorbereitungen für das nächste Sängerfest, welches in fünf Jahren wieder stattfinden wird.

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