Das Wandeln im Dunkeln

Wie Menschen spurlos verschwinden

von Leah Gand (Q1)

Sie verlassen ihr Haus, gehen Joggen, besuchen eine Diskothek oder sind gerade auf dem Heimweg – bis sie plötzlich nicht mehr auftauchen. Gerade noch schien alles normal zu sein und im nächsten Moment fehlt ein geliebter Mensch. Wie vom Erdboden verschluckt verstummen alle Lebenszeichen. Was ist geschehen? Wie konnte es soweit kommen? Wie ist es möglich, dass Menschen und besonders Kinder und Jugendliche ohne sichtbare Spuren verschwinden? Zahlreiche bis heute ungelöste Fälle zeigen die Lücken und Hilflosigkeit der Suchaktionen von Polizei und Rettungsdiensten, wenn die notwendigen Hinweise fehlen. Sogar der Einsatz von ausgebildeten Spürhunden, Wärmebildkameras und Hubschraubern wird dabei nicht immer von Erfolg gekrönt, was das Aufspüren der vermissten Person beinahe unmöglich macht.

Foto: Richardo Mo, www.pexels.com

Bevor es jedoch dazu kommt, gibt es zunächst einmal gewaltige Unterschiede zwischen mutwilligem Untertauchen und unfreiwilligem Verschwinden. Beweggründe für ersteres lassen sich tendenziell am Ehesten durch Liebeskummer, Streitigkeiten mit den Erziehungsberechtigten oder auch Probleme in der Schule erklären. Hinzu kommen beispielsweise geistig verwirrte Menschen oder etwa Stress sowie Prüfungsangst. Die Motive sind vielfältig. Aus diesem Grund gibt es immer wieder Personen, die aufgrund der genannten Konfliktsituationen dem Alltag entfliehen möchten und folglich davonlaufen, da die Flucht meist fälschlich als einziger Ausweg angesehen wird, um etwa ein neues Leben beginnen zu können (https://web.de/magazine/panorama/timo-kraus-menschen-spurlos-verschwinden-32113604).

Was also tun Menschen dafür, ihrem gewohnten Umfeld zu entfliehen? Tatsächlich gibt es bereits Menschen, die bei diesen wenn auch auf den ersten Blick ungewöhnlichen Plänen auf legalem Weg Hilfe verschaffen. Frank Ahearn ist so ein Mann. Nach jahrzehntelanger Arbeit rund um das Aufspüren von berühmten Persönlichkeiten, wechselte er schließlich die Seiten. Von nun an war nicht er derjenige, der die Menschen ausfindig machte, sondern ihnen beim Verschwinden half und sogar die NSA täuschte. Die wohl wichtigste Maßnahme liefert dabei besonders das Verbot der Nutzung sämtlicher Kreditkarten und Smartphones, da diese heutzutage problemlos nachverfolgt werden können. Anschließend werden Falschinformationen gestreut, denn einmal digital verbreitete Informationen lassen sich schließlich nicht mehr löschen. Diese geheimen Dienste werden aus Kostengründen überwiegend von vermögenden Menschen in Anspruch genommen, wenn diese auf Basis von Stalkern, gewalttätigen Ex-Ehepartnern oder dem Schaffen von Feinden aufgrund von hohen Geldsummen keinen anderen Ausweg mehr sehen.

Anhand eines Beispiels veranschaulicht Frank Ahearn die Gründe seiner Klienten, die als sogenannte „High-net-worth-Personen“ bezeichnet werden, wobei es sich um Personen mit sehr hohem Investitionsvermögen handelt und die tatsächlich sogar überwiegend aus der Schweiz stammen. Vor einigen Jahren kam ein Geschäftsführer, ein sogenannter CEO zu ihm, da er sich eine extrem teure Villa zugelegt hatte, was öffentlich in einer Fachzeitschrift offenbart wurde. Seither habe er Angst um seine Kinder, da diese mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit Opfer von Entführern werden könnten. In weiteren Maßnahmen wurden über ihn also taktische Falschinformationen verbreitet, in denen er beispielsweise vermeintlich das Haus verkauft habe und seither woanders lebe, weshalb die Kinder ebenfalls die Schule gewechselt hätten. Diese Art der digitalen Manipulation bleibt mit Hintergrund auf die sich immer weiter modernisierende Welt folglich ein Muss (https://www.20min.ch/digital/news/story/Der-Mann–der-Reiche-verschwinden-laesst-17836897). Trotzdem bieten die Möglichkeiten, über die offenen Grenzen Europas und durch perfekt gefälschte Papiere, wenn auch zu einem sehr hohen Preis, seine anonyme Freiheit zu genießen. Als Fazit lässt sich also sagen, dass zum Untertauchen die sozialen Verknüpfungen und das Onlinesein abgelegt werden müssen oder die Wahrheit hinter einer Wand von Falschinformationen versteckt werden muss.

Kommt es allerdings zu einer unfreiwillige Entführung, werden die Opfer gewaltsam an unbekannte Orte geschafft und entweder unter Forderung eines Lösegelds wieder freigelassen oder in schlimmsten Fällen sogar ermordet. Geht es um einen konkreten Entführungsort, gibt es zahlreiche Anhaltspunkte, die einem erfolgreichen Aufspüren einen großen Schritt entgegenkommen. Dazu wird an den Wohnorten der verdächtigen Personen etwa professionell nach Finger- und Schuhabdrücken sowie DNA- oder Fahrzeugspuren gesucht. Die Fingerabdrücke sind dabei besonders zielführend, da keiner dem anderen gleicht. Bleibt jedoch auch diese Methode des Aufspürens erfolglos, kommt es nicht selten zu dem Fall, dass nähere Verwandte oder Ehepartner als Hauptverdächtige unter Bobachtung gestellt werden, ehe sie aus Mangel an Beweisen schließlich wieder entlassen werden.

Wird in Deutschland eine Person als vermisst gemeldet, müssen vor konkreten Maßnahmen zunächst bestimmte Situationen eingetroffen sein, wobei das Alter des verschwundenen Menschen eine sehr große Rolle spielt. Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) zählt dzu etwa, wenn der gewohnte Lebenskreis verlassen wurde und der aktuelle Aufenthaltsort damit nicht mehr bekannt ist, sowie wenn beispielsweise durch einen Unfall oder Selbsttötungsabsichten akute Gefahr um Leib und Leben bestehen könnte. Letzterer ist zudem der einzige Grund, weshalb nach Erwachsenen gesucht wird, da sie über das Selbstbestimmungsrecht bezüglich ihrer eigenen Person verfügen und damit frei ihren Aufenthaltsort bestimmen können. Bei Minderjährigen ist das anders, denn bis zu ihrem 18. Lebensjahr bleibt man unter Vormundschaft der Eltern und bereits nach der Vermisstenanzeige wird von einer Gefahr um Leib und Seele ausgegangen und mit Suchmaßnahmen begonnen.

Auch brandaktuelle Geschehnisse, wie etwa der Fall um die 15-jährige Rebecca Reusch aus Berlin-Neukölln, zeigen, dass trotz modernster Techniken und Suchaktionen nicht jede Fahndung schnell oder überhaupt ein gutes Ende nimmt. Seit dem 18. Februar 2019, an dem das Mädchen um 9.50 Uhr bereits nicht mehr wie gewohnt zum Unterricht erschien, fehlt jegliche Spur zu ihrem Aufenthaltsort und jegliche Information, ob sie überhaupt noch am Leben ist. Es wird bereits vermutet, dass sie womöglich einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen ist. Mit jedem Tag, an dem sie nicht gefunden wird, schwinden daher die Chancen, sie überhaupt jemals lebend wiederzusehen. (https://www.tagesspiegel.de/berlin/schwager-ist-wieder-auf-freiem-fuss-polizei-haelt-vermisste-rebecca-reusch-fuer-tot/24054408.html).

Am Ende bleiben den zurückgebliebenen Menschen nichts als vergangene Erinnerungen an eine vermutlich nicht mehr existente, aber immer noch geliebte Person. Offene Fragen ohne Antworten und eine bittere Ungewissheit machen das weitere Leben schwer, denn irgendwie muss es schließlich trotzdem weitergehen. Auch das Herbanziehen von Psychologen stellt sich meist nur noch als eine Bewältigung der Trauer dar. Was genau geschehen ist, kann niemand sagen. Wo sich die Person nun aufhält, steht sprichwörtlich in den Sternen (https://www.zeitjung.de/langzeitvermisste-menschen-die-verschwinden-dunkelziffer-beweggruende/).

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