Nutztierhaltung in Deutschland

von Hannah-Sophie Siebels, Raghad Alhariri und Josephine La Corte (Kl. 7)

Tierzucht und Tierhaltung sind wichtige Bestandteile der Deutschen Landwirtschaft. Die Nutztierhaltung dient der Herstellung von Nahrungsmitteln, wie zum Beispiel Fleisch und Eiern sowie von Tierprodukten wie Wolle oder Fellen. In diesem Artikel soll es jedoch nur um die Tierhaltung zur Erzeugung von Lebensmitteln gehen.

Die häufigsten in Deutschland verzehrten Fleischsorten sind  Schwein, Geflügel und Rind. Doch Schwein ist nicht gleich Schwein. Es gibt verschiedene Arten von Tierhaltungen: Massentierhaltung, d.h. technisierte Viehhaltung. Dieses geschieht meist in Großbetrieben und dient zur Gewinnung möglichst vieler tierischer Produkte. Und es gibt die Biotierhaltung („artgerechte Tierhaltung“). Das bedeutet, dass die Bio-Tiere mehr Platz im Stall haben, bequemere Liegeboxen, mehr Möglichkeiten zum artgerechten Verhalten und auch mehr Auslauf (vgl. https://www.zeit.de/2012/13/Bio-Frage-1-Tiere).

Schweine:

Schon seit ca. 9000 Jahren sind Schweine die ältesten Nutztiere des Menschen. Aber gerade in den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Schweinehaltung ziemlich verändert. Jährlich werden in Deutschland 59 Millionen Tiere geschlachtet. Aber wie werden sie gehalten?

Den Betrieben kommt es besonders auf eine hygienische und kostengünstige Produktion an. Dabei konzentrieren sich die meisten Betriebe eher auf einzelne Produktionsschritte, zum Beispiel Ferkelerzeugung. Meist werden die Schweine auf Spaltenböden gehalten. Freilandhaltung ist teurer und wird deshalb seltener angewendet. Einem Mastschwein von 50 bis 110 kg Gewicht, müssen nach den Vorschriften des Gesetzesgebers mindestens 0,75 qm zur Verfügung stehen (Massentierhaltung), denen aus der ökologischen Haltung (Biohaltung) stehen mindestens 1,3 qm zu. Beides ist erschreckend wenig!

Zuerst werden die Zuchtsauen ca. ein Mal im Jahr künstlich besamt, die Besamung dauert bis zu 4 Wochen. Nah der künstlichen Befruchtung kommen die Sauen in die Kastenstände, nach der Geburt dann in die sogenannte Abferkelbucht, (ein Wurf = ca.12 Ferkel).Die Ferkelschutzkörbe sollen verhindern, das die Muttersau ihre Nachkommen erdrückt. Drei bis vier Wochen säugt die Muttersau ihre Ferkel, danach trennen sich ihre Lebenswege. In der Aufzucht wachsen die Ferkel im Flattdeck (Ställe)auf. Zum Ende kommen die Schweine in den Maststall. Die Mastschweine werden in Gruppen (12 bis 45 Gruppen) in Buchten gehalten.  Im Alter von etwa 6 Monaten ist das Schlachtgewicht (ca.120 kg) erreicht.

Im größten Schlachtkonzern Deutschlands, in der Firma Tönnies, werden pro Tag etwa 25.000 Schweine geschlachtet (https://www.toennies.de/home.html). Beim Schlachtvorgang werden die Schweine zuerst mit einer Transportmöglichkeit zum den jeweiligen Schlachtbetrieben gebracht, z. B. zur Firma Tönnies. Anschließend werden sie auf dem Weg in den sicheren Tod mit grünem Licht und mit Panflötenmusik beruhigt. In einem Untergrundbereich in 9 Meter Tiefe, werden die Schweine zusammen mit der Tiergruppe, die sie seit Monaten kennen, mit CO2 betäubt. Als nächstes werden sie aufgehängt. Ein Messer wird in die Kehle des Schweines gestochen. Das Blut fließt! Die Schweine werden in zwei Hälften gespaltet und die Organe herausgenommen. Und dann: Ab zum Metzger! (https://www.bmel.de/DE/Tier/Nutztierhaltung/Schweine/_texte/Schweine.html)

Rinder:

Mehr als die Hälfte aller Landwirte in Deutschland hält Rinder (163.000 Höfe). Die meisten dieser Betriebe halten jährlich ca. 100 Tiere, um Milch und Fleisch zu erzeugen. Jährlich werden in Deutschland 3,7 Millionen Rinder geschlachtet.

Die meisten Rinder in Deutschland leben in Laufställen. In diesen Ställen sieht es so aus: Die Böden bestehen bei Rindermastbetrieben meist aus Betonspalten, damit die Exkremente der Tiere durchgetreten werden können. In diesen Ställen hat jede Milchkuh gepolsterte Ruhezonen mit Stroh. Mehr als jedes dritte Rind geht  im Sommer regelmäßig auf die Weide. In einem moderneren Milchviehstall verbringen die Tiere ihre meiste Zeit mit Fressen, Ausruhen oder Widerkäuen. Dafür bietet der Stall Futterplätze, Tränken und Liegeboxen mit Stroh an. Die Tiere können zeitweise im Außenbereich (Laufhof/Weide) ihre Zeit verbringen. In den Melkständen werden die Kühe mindestens zwei Mal am Tag gemolken (https://www.bmel.de/DE/Tier/Nutztierhaltung/Rinder/_texte/Rinder.html).

Geflügel:

Seit mehr als 4000 Jahren versorgt Geflügel die Menschen mit Fleisch und Eiern. Doch seit Jahrzehnten wächst der Hunger  der Deutschen auf Geflügelfleisch. Deutschland ist nach Frankreich der zweitgrößte Erzeuger von Geflügelfleisch der Europäischen Union. 56.600 Betriebe gibt es in Deutschland, die sich auf Geflügelhaltung spezialisiert haben. Jedes Jahr werden 701 Millionen Tiere geschlachtet und mehr als 13 Milliarden (!) Eier produziert.

Bei der Hühnermast zur Fleischgewinnung wird vielfach auf Bodenhaltung gesetzt. Dabei haben die Masthühner in den Ställen keine Abwechslung und sehen in der Regel kein Tageslicht. Da sich bis zu 26 Tiere einen Quadratmeter Boden teilen, können sich die Hühner in dem ganzen Gedränge mit fortschreitendem Alter immer weniger bewegen und müssen gegen Ende der Mast die ganze Zeit liegen. Am ersten Tag ihres kurzen Lebens wiegen die Masthühner etwa 40 Gramm. In der achten Lebenswoche haben sie ein Gewicht bis zu zweieinhalb Kilogramm erreicht und werden dann geschlachtet.

Bei der Eierproduktion in Bodenhaltung leben oft mehrere 10.000 Legehennen in sogenannten Volierensystemen mit mehreren Etagen; in diesen Etagen liegt Streu aus Stroh oder Hobelspäne, darin können die Hühner scharren, picken und staubbaden. In der Freilandhaltung gibt es zusätzlich Auslauf. Doch nur knapp 16% der Legehennen werden so gehalten, weitere 11% leben in der sogenannten Kleingruppenhaltung. Dabei leben die Tiere mit ca. 65 Artgenossen zusammen. Insgesamt spezialisieren sich die Betriebe heutzutage auf hohe Legeleistungen, diese Hennen können pro Jahr 300 Eier legen. Sie werden nach eineinhalb Jahren durch jüngere Tiere ersetzt und geschlachtet (vgl. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fleischproduktion-in-deutschland-was-sie-ueber-massentierhaltung-wissen-sollten-1.1899021 sowie https://www.bmel.de/DE/Tier/Nutztierhaltung/Gefluegel/_texte/Gefluegel.html).

Aber was passiert in diesem Produktionszusammenhang eigentlich mit den männlichen Küken, die keine Eier legen können? Bisher wurden sie ausnahmslos durch giftiges Gas getötet und dann massenhaft geschreddert. Doch seit neuesten sieht die Gesetzgebung keine „vernünftigen Gründe“ (so das deutsche Tierschutzgesetz) mehr für das Töten der männlichen Küken aus diesen Zuchtlinien. In Kürze soll es ein durchgehendes Verfahren zur Bestimmung des Geschlechts noch im Ei geben. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am 13.06.2019 so entschieden (https://www.bverwg.de/de/pm/2019/47). Die Eier mit den männlichen Küken werden dann allerdings immer noch vernichtet. Doch was sagen uns all diese Fakten? Die Redaktion findet, dass man sich grundsätzlich zunächst einmal bewusst machen sollte, wie viel Fleisch man pro Woche zu sich nimmt, was man isst und auf welchem Weg es auf unseren Tellern landet. Deshalb würden wir vorschlagen, sich z. B. Dokumentationen (https://www.youtube.com/watch?v=-u7G1DZMpHI) oder andere Informationen anzuschauen. Man sollte sich auch bewusst machen, dass man mit jedem Stück Fleisch Antibiotika zu sich nimmt und dabei Gefahr läuft, dass man selbst Resistenzen auf diese Medikamente ausbildet. Die Redaktion unterstützt die neue Richtung der deutschen Gesetzgebung, dass demnächst keine männlichen Küken mehr geschreddert werden dürfen und so das grausame Töten bereits lebender Küken vermieden werden könnte. Das, so meinen wir, ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

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